Blackout bei Prüfungen
Gelernt – und in der Prüfung ist das Wissen plötzlich weg.
Zu Hause klappt’s. Der Stoff ist gelernt, beim Abfragen kann das Kind die Antworten geben und eigentlich wäre es gut vorbereitet. Doch dann kommt die Prüfung und plötzlich ist vieles wie weggeblasen. Für Kinder und Jugendliche ist das frustrierend und leider oftmals deutlich mehr als das. Und für Eltern manchmal schwer nachvollziehbar: Wir haben doch so viel gelernt. Warum kann mein Kind das Wissen jetzt nicht abrufen?
Vielleicht liegt es gar nicht am Lernen
Wenn ein Kind Gelerntes in einer Prüfung nicht abrufen kann, bedeutet das nicht automatisch, dass es zu wenig oder falsch gelernt hat. Vielleicht liegt die Schwierigkeit weniger beim Lernen selbst als bei dem, was in einer Prüfungssituation innerlich passiert.
In meiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erlebe ich immer wieder, dass das Wissen durchaus vorhanden ist. Doch Nervosität, hohe Erwartungen, frühere Misserfolge, ungute Erfahrungen oder andere innere Blockaden können sich dazwischenschieben. Manchmal beginnt die Prüfung im Kopf schon lange vor dem eigentlichen Prüfungstag: Das kann ich sowieso nicht. Hoffentlich passiert es nicht wieder. Ich muss diesmal eine gute Note schreiben. Es hat eh keinen Sinn. Solche Gedanken können sich mit der Zeit verfestigen. Aus einer schlechten Prüfungserfahrung kann die Erwartung entstehen, dass es beim nächsten Mal wieder nicht klappt. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten nimmt ab und der Druck steigt.
Was steht zwischen dem Kind und seinem Können?
Es geht nicht darum, was ein Kind nicht kann. Sondern darum, zu verstehen, was es daran hindert, zu zeigen, was es kann. Welche inneren Gegenspieler tauchen plötzlich auf? Was löst die Blockade aus? Betrifft sie ein bestimmtes Fach, eine bestimmte Situation oder zeigt sie sich ganz grundsätzlich bei Prüfungen? Denn Ich blockiere in Mathe und Ich habe grundsätzlich Angst vor Prüfungen können auf den ersten Blick ähnlich aussehen. Dahinter können jedoch unterschiedliche Themen stecken. Ebenso können belastende soziale Situationen Auslöser für Blackouts sein.
Warum der Perspektivenwechsel so wichtig ist
Eltern und Kind können ganz unterschiedliche Erklärungen dafür haben, worin das eigentliche Problem besteht. Eltern möchten helfen, das ist verständlich. Sie sehen vielleicht die schlechte Note, die Nervosität oder das viele Lernen und versuchen mit guten Ratschlägen, Zuversicht, Belohnungen und manchmal auch unbewusstem Druck, ihrem Kind zu besseren Noten zu verhelfen.
Das Kind selbst erlebt die Situation möglicherweise ganz anders und braucht entsprechend eine andere Art der Unterstützung. Hand aufs Herz: Nach einer enttäuschenden Prüfung lautet die erste Frage zu Hause doch schnell (oder zumindest in Gedanken): Hast du denn wirklich genug gelernt? Warum hast du nicht zuerst die Fragen gelöst, die du gut beantworten kannst? Warum hast du nichts geschrieben? Warum, warum, warum …
Probieren Sie einmal zwei andere Fragen: Was ist während der Prüfung passiert? Wie hast du dich dabei gefühlt? Die Antworten darauf erzählen meist mehr als die Note.
Dieser Perspektivenwechsel hilft, sich in die Situation des Kindes hineinzuversetzen: wieder einmal mit Kinderaugen an einem Pult zu sitzen, den Puls im Hals zu spüren und zu erleben, wie aus anfänglicher Aufregung plötzlich Unsicherheit oder sogar Angst werden kann. Und wer das selbst nicht kennt, erinnert sich vielleicht an Freundinnen oder Freunde, denen Prüfungen schon immer schwergefallen sind.
Wieder Vertrauen in das eigene Können entwickeln
Wenn Kinder wiederholt schlechte Schul- oder Prüfungserfahrungen machen, kann irgendwann mehr darunter leiden als die einzelne Note: das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Daraus kann ein Kreislauf entstehen, der nicht nur das Kind, sondern zunehmend auch die Familie belastet. Umso wertvoller ist es, früh hinzuschauen und die Weichen anders zu stellen.
Als Eltern oder Bezugspersonen können wir Kinder unterstützen, indem wir uns nicht darauf konzentrieren, was nicht funktioniert. Wir dürfen den Blick auch auf das richten, was längst da ist: Woran hat mein Kind Freude? Wann fühlt es sich sicher? Wo vertraut es sich selbst? Welche schwierigen Situationen hat es bereits gemeistert? Was kann es gut? Lerncoaching
«Bühne frei für mehr Sicherheit und das gute Gefühl, dem eigenen Können wieder vertrauen zu können.»
So unterstütze ich Ihr Kind
Das systemische Lerncoaching im L’Atelier richtet den Blick auf hinderliche Muster und innere Prozesse. Gemeinsam schauen wir hin, was hinter einer Blockade steckt – und arbeiten daran, dass wieder mehr Sicherheit, Vertrauen und Leichtigkeit entstehen können. Ein Kind, das in einer Prüfung blockiert, kann sehr wohl gelernt haben. Dann müssen wir nicht am Lernen arbeiten, sondern an dem, was zwischen dem Kind und seinem Können steht. HIlfreich ist dabei auch das Wissen um die Achtsamkeit bei Kindern und Jugendlichen, mehr dazu im Blog. Ein weiteres Blogthema sind Lernblockaden bei Kindern und Jugendlichen, die sich von Prüfungsblockaden unterscheiden.
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