Bevor aus «viel um die Ohren» ein «zu viel» wird
Ein voller Kalender, ein Projekt nach dem anderen, ständig etwas zu entscheiden und zwischendurch noch schnell eine Nachricht beantworten. Es gibt Phasen, in denen viel läuft. Und oft können wir erstaunlich viel tragen. Problematisch wird es nicht unbedingt dann, wenn es einmal hektisch ist. Sondern wenn das Hektische zum Normalzustand wird.
Wenn freie Abende nicht mehr wirklich frei sind. Wenn man am Wochenende zwar nicht arbeitet, gedanklich aber trotzdem im Büro sitzt. Wenn die Dinge, die früher Freude gemacht haben, zunehmend anstrengend wirken. Und wenn auf die Frage «Wie geht es dir?» automatisch ein «Gut, einfach viel los» kommt. Manchmal wird aus viel um die Ohren schleichend ein zu viel.
Burnout kommt selten mit Ansage
Die WHO beschreibt Burnout als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der nicht erfolgreich bewältigt werden konnte. Im Zentrum stehen drei Bereiche: zunehmende Erschöpfung, eine wachsende innere Distanz oder negative Haltung gegenüber der Arbeit und das Gefühl, beruflich weniger wirksam zu sein. Das Schwierige daran: Der Übergang ist nicht schwarz-weiss. Viel häufiger verändert sich etwas langsam.
Vielleicht fällt Abschalten schwerer. Die Geduld wird dünner. Kleine Dinge nerven plötzlich unverhältnismässig. Man schläft, fühlt sich morgens aber trotzdem nicht richtig erholt. Oder man funktioniert weiterhin hervorragend, nur kostet dasselbe Pensum immer mehr Kraft. Gerade leistungsorientierte Menschen können solche Veränderungen lange übergehen. Nicht weil sie unvernünftig wären. Sondern weil Durchhalten vielleicht genau das ist, was bisher immer funktioniert hat.
Erschöpfung ist nicht nur eine Frage der Belastbarkeit
Beim Thema Burnout landet die Verantwortung schnell beim Einzelnen: Du musst besser auf dich achten. Du musst lernen, Nein zu sagen. Du solltest mehr Pausen machen. Das stimmt zwar inhaltlich, ist aber nur die halbe Wahrheit. Die Arbeitsforschung unterscheidet seit Langem zwischen Anforderungen und Ressourcen. Hohe Anforderungen können auf Dauer erschöpfen. Ressourcen wie Gestaltungsspielraum, Unterstützung, gute Zusammenarbeit oder sinnvolle Arbeitsbedingungen können dagegen schützen und Engagement fördern. Grosse Meta-Analysen zeigen diesen Zusammenhang über sehr unterschiedliche Berufe hinweg.
Deshalb gehört zu Burnout-Prävention immer beides: Was kann ich persönlich verändern? Und was müsste sich in meinem Arbeitsumfeld verändern? Denn niemand kann dauerhaft ein strukturelles Überlastungsproblem mit Yoga am Dienstagabend kompensieren.
Das eigene Frühwarnsystem kennenlernen
Menschen reagieren auf Belastung unterschiedlich. Die eine Person wird gereizter. Eine andere zieht sich zurück. Jemand schläft schlechter, bekommt Kopfschmerzen oder merkt, dass die Konzentration nachlässt. Andere werden noch aktiver und versuchen, den zunehmenden Druck mit noch mehr Einsatz auszugleichen. Burnout-Prävention bedeutet deshalb nicht, eine allgemeine Checkliste abzuarbeiten. Relevanter ist die Frage: Woran merke ich persönlich, dass meine Belastung beginnt, meine Ressourcen zu übersteigen? Vielleicht daran, dass ich bei Kleinigkeiten ungewohnt heftig reagiere. Oder, dass ich keine Lust mehr auf Menschen habe oder ich selbst in ruhigen Momenten innerlich nicht mehr zur Ruhe komme. Wer seine eigenen Muster kennt, kann früher reagieren, bevor Körper und Psyche deutlicher bremsen müssen. Eine achtsame Work-Life-Balance kann zusätzlich unterstützen.
Ich kann schon noch ist nicht das entscheidende Kriterium
Viele Menschen funktionieren erstaunlich lange. Sie gehen zur Arbeit, treffen Entscheidungen, organisieren den Familienalltag und erledigen zuverlässig, was erledigt werden muss. Deshalb ist Kann ich noch? die falsche Messlatte. Hilfreicher sind Fragen wie: Wie viel Kraft kostet mich das inzwischen? Wie gut erhole ich mich noch? Was gibt mir Energie und was zieht sie dauerhaft ab? Was tue ich aus Überzeugung und was längst nur noch aus Pflicht?
Prävention beginnt nicht erst dort, wo nichts mehr geht. Sie beginnt deutlich früher.
Auch Grenzen brauchen manchmal ein Update
Arbeitswelten haben sich verändert. E-Mails, Chats, mobiles Arbeiten und Homeoffice können Freiheit schaffen. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben leichter. Forschung zu Homeoffice und hybrider Arbeit zeigt entsprechend kein einfaches «gut» oder «schlecht»: Flexibilität kann das Wohlbefinden verbessern, ungünstige Arbeitsgestaltung, hohe Arbeitslast oder fehlende Abgrenzung können dagegen zusätzliche Belastung schaffen.
Eine Grenze muss heute deshalb nicht nur heissen: Ich verlasse um 18 Uhr das Büro. Sie kann auch bedeuten: Ich muss nicht jede Nachricht sofort beantworten. Ich darf unerreichbar sein. Ich muss nicht alles selbst auffangen. Eine hohe Arbeitslast darf benannt werden.
Grenzen sind nicht das Gegenteil von Engagement. Sie machen langfristiges Engagement oft erst möglich.
Prävention ist mehr als Stressmanagement
Die Forschung zu Burnout-Interventionen weist darauf hin, dass Massnahmen beim Einzelnen durchaus helfen können. Etwa der Umgang mit Stress, Entspannung oder Achtsamkeit. Nachhaltiger wird Prävention jedoch dort, wo auch Arbeitsbedingungen und organisationale Faktoren berücksichtigt werden. Eine Standortanalyse kann helfen, Einflussfaktoren besser zu verstehen.
Das ist ein zentraler Punkt. Burnout-Prävention darf nicht bedeuten, Menschen immer widerstandsfähiger gegen ungesunde Bedingungen zu machen. Sie darf auch die Frage stellen: Was muss sich verändern, damit es gar nicht erst so viel Widerstandskraft braucht?
«Burnout-Prävention bedeutet: nicht erst dann etwas zu verändern, wenn der Körper oder die Psyche keine andere Wahl mehr lassen.»
So unterstütze ich Sie
Im Coaching schauen gemeinsam hin: Wo entsteht Druck? Welche persönlichen Stressmuster spielen mit? Was kostet dauerhaft Energie? Welche Ressourcen sind vorhanden und welche kommen im Alltag kaum noch vor? Manchmal geht es um Grenzen. Manchmal um Erwartungen an sich selbst. Manchmal um Arbeitsbedingungen, Rollen oder den Mut, eine Situation nicht länger einfach hinzunehmen. Wir arbeiten darauf hin, dass Sie den Bereich, den Sie direkt beeinflussen können, zu Ihrem Nutzen verändern. Siehe auch Business Coaching.
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